Boxenstopp

Kürzlich erzählte ein Kollege von seinen Freuden und Leiden beim Zusammenziehen mit seiner Freundin. In die Kategorie Leidwesen fiel ein Lamento über Frauen und Lautsprecherboxen. Ich horchte auf. Denn eine sehr ähnliche Diskussion führte ich auch derzeit. Ein weiterer Kollege konnte vergleichbare Erinnerungsstücke aus der Arbeit an der gemeinsamen der Einrichtung des Eigenheims beisteuern. Einhellige Meinung war: Frauen mögen keine großen Boxen in der Wohnung. Ist das so? Ja. Vielleicht jetzt. Aber war das schon immer so? Nein. Früher war ich so was von stolz auf meine ersten Denon-Boxen, selbst bezahlt von sauer verdienten Ferienjobgeld – sauer wegen der galvanischen Säuren, die in der Abteilung rumwaberten, wo ich Kühlschrankplatinen in saure Becken tauchte. Ok. Zugegeben. Meine Denon-Boxen waren jetzt nicht von der Größe „Ich-bin-zwei-Öltanks“. Aber, immerhin hatten sie einen ordentlichen Wumms. Und sie passten gerade noch so ins Regal. Das reicht doch, oder? Wozu braucht es in einer Mietwohnung kühlschrankgroße Ghettoblaster, die dem Nachbarn oben drüber kostenfreie Fußmassagen und dem unten drunter klingelndes Ohrensausen bescheren?

Die Reinheit des Klangs. Die Ästhetik des Klangs. Ja, gibt es alles. Und die entsprechenden Boxen garantieren solch Hörvergnügen ganz sicherlich, vor allem auch mit dem adäquaten Equipement dahinter. Ich habe seit schon immer ein Durchschnittsgehör, das zudem vermutlich in den 80ern durch diverse nächtelange Besuche in der Diskothek „Pink“ und vergleichbare Ohrenbetäuber-Etablissements mittel bis stark beeinträchtigt wurde. Seitdem ist Sense mit gut-hören-können. Im Gegenteil, inzwischen fordert auch noch das Alter seinen Tribut. Von Tinnitus und Hörsturz will ich erst gar nicht anfangen. Vielleicht will ich auch manches einfach nicht mehr hören. Kann auch sein. Ist, je länger ich drüber nachdenke, eigentlich sogar sehr wahrscheinlich. Nicht-Hören zum Selbstschutz gegen diesen ganzen vermeintlich politisch korrekten pseudo-post-lacto-veganen Senf, den heutzutage ein/eine/eines Jeder/Jede/Jedes ganz genderneutral ungefragt in die Welt hinauspustet. Zu dem Thema könnte ich jetzt auch mal so richtig … aber lassen wir das, ich schweife ab.

Zurück zu den Boxen. Meine Denonboxen nebst Anlage fielen irgendwann dem iWahn zum Opfer. Mussten dem Designten weichen, wurden im Zuge der Studimöbelentrümpelung ausgemustert. Und heute? Ja, vollmundiger Klang kommt auch aus den so formschön unauffällig im Regal platzierten Kleinstmusiksteckplätzen. Und den soll ich jetzt ersetzen zugunsten unförmiger Quadratlulatsche und endlosen Metern Kabelsalat? Och, nö.

 

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