Tag 7

Von Namib Desert Lodge geht es morgens los bei einem wiederum fantastischen Sonnenaufgang, der die hinter der Lodge liegenden Berge in ein unwirkliches Licht taucht.
Sonnenaufgang in der Namib Desert Lodge
Sonnenaufgang in der Namib Desert Lodge (nicgt gephotoshoppt). 
Vor uns liegt eine Strecke von gut 300 Kilometern bis nach Swakopmund, mit Zwischenstopps am Kubis Pass und in Walvis Bay. Wieder einmal verändert sich die Landschaft im Halbstundentakt. Auf rote Wüste mit viel Vegetation, folgt Wüste mit wenig Vegetation, folgt Savanne, folgt Sandwüste, folgt Küste. Schroffe Felsplateaus wechseln mit weitem Grasland und endlosen Sanddünen. Die Schottenpiste ist dieses Mal besonders schotterig.
tag7_Schotterpiste
Auf uns Ab auf der Schotterpiste
Auf und ab werden die Businsassen geschleudert, zum Teil auch dank der rasanten Fahrweise unseres Guides. Wie schon in den vergangenen Tagen umgibt uns große Einsamkeit. Hin und wieder stehen Menschen am Straßenrand, und ich frage mich: Woher kommen die in dieser endlosen Weite? Ortschaften oder einzelne Behausungen haben wir seit Stunden keine passiert.
Auf dem Kuisebpass

Plötzlich nach mehreren Stunden Fahrt ein erstaunter Ausruf von einem Mitreisenden. „Zebras!“ Der Fahrer tritt in die Eisen. Halt auf freier Strecke ist kein Problem. Andere Fahrzeuge sind Kilometer weit vor und hinter uns nicht zu sehen. Die Verkehr auf Namibias Landstraßen hält sich in sehr überschaubaren Grenzen. Schnell werden die Kameras gezückt und die ersten Tierfotos gemacht. Zebras in freier Wildbahn! Wie aufregend! Die Tiere allerdings sind gänzlich unaufgeregt. Einer macht den Ausguck, die anderen grasen weiter. Fotos im Kasten. Weiter geht’s.

Die Zebras lassen sich nicht beim Essen stören.

Recht unspektakulär passieren wir den bei 23°26′16″ südlicher Breite den Wendekreis des Steinbocks. Es ist der südlichste Breitenkreis, an dem die Mittagssonne gerade noch den Zenit erreicht, am 21. Dezember, dem Tag der Sommersonnenwende der Südhalbkugel.

Der Wendekreis des Steinbocks.

Manchmal stehen Tramper am Straßenrand. Und bei der übersichtlichen Verkehrsdichte von alle paar Stunden mal ein Auto frage ich mich erneut, wie viele Tage stehen die hier, bis sie jemand mitnimmt? Bei einem einzelnen trampenden Mann hat unser Guide Mitleid. Doch bevor er anhält, fragt er die Gruppe, ob es uns recht ist, wenn wir ihn mitnehmen. Von den meisten kommt ein spürbar verhaltenes „Ok“. Der junge Namibianer freut sich einen Ast, noch mehr als er erfährt, dass wir sogar bis Walvis Bay fahren. Denn genau da will er hin, um mit seiner Familie den Jahreswechsel zu feiern.

Walvis Bay ist unspektakulär. Ein mittelhässlicher Küstenort. Ein bisschen Industrie, viele Ferienhäuser. Unser Stopp bei den aberhunderten Flamingos an der Promenade leidet etwas unter dem bewölkten Himmel. Nach einer Woche sind wir alle sehr sonnenhimmelverwöhnt.

Das erste, was mir auffällt als wir nach Swakopmund hineinfahren, ist ein Friedhof, wo ein Mann auf einem Grab tanzt. Die Szene berührt mich. Meine Gedanken schweifen nach Deutschland, auf einen Friedhof, wo ich vor 5 Monaten und 8 Tagen meinen Mann begraben habe. Ich fände es schön, wenn man auch bei uns auf Friedhöfen tanzen würde.

Swakopmund zählt mit etwa 44.000 Einwohnern zu den größeren Städten Namibias. Es wirkt sehr deutsch. Es gibt eine Fußgängerzone, viele Geschäfte tragen deutsche Namen und man serviert Schwarzwälder Kirschtorte. Zur Bekanntheit des Ortes trägt auch noch bei, dass Brangelina hier vor einigen Jahren ein Kind zur Welt gebracht hat. Toll. Die Sightseeingtour lässt den Wohnort der Glamourfamilie natürlich nicht aus. Eine weitere Berühmtheit fällt mir auf: Plakate künden von einem Heino-Konzert im Januar. Der Juniorrocker hat hier anscheinend eine sehr große Fan-Gemeinde. Unser Guide bestätigt mir dessen unglaubliche Popularität unter Deutsch-Namibianern, die der Sänger aber auch seinem hiesigen sozialen Engagement verdankt. Erlöse aus Heinos Konzerten fließen unter anderem in den Bau von Schulen.

Ansonsten passiert in Swakopmund das, was ich bereits am Tag 1 vermutet hatte, die Gruppe zerfällt für die zwei freien Tage in ihre angestammten Paarungen. Also bin ich allein. Ok. Das Hotel Eberwein ist nett und liegt recht zentral. Und überhaupt ist Swakopmund auch nicht so groß. So bleibt Zeit zum Bummeln und Beobachten.

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… enjoy the Ride!