Schlagwort-Archiv: esc

lena-nachlese

da ist man mal im urlaub und will stressminderungsbedingt die multimediale präsens etwas runterfahren und hat weder netbook noch handy aufgeladen, schon gewinnt deutschland den grand prix! seit jahren fiebere ich hier nun mit unseren verliererInnen mit, sinniere über europa und seine ressentiments, über moldawien, den ndr u.v.m. und kaum bin ich mal ein paar tage weg, singt sich eine meiner landsfrauen (hoch leben alle niedersachsen! – außer der wulff, der geht ja nun gar nicht als bundespräsident…) in die herzen europas. aber, was soll ich euch sagen? selbst beim nachbarn frankreich war unsere lena cover-girl. auf dem flughafen orly strahlte sie mir am zeitungssstand entgegen. hach, war das schön. wann haben die collegues francaises denn eigentlich das letzte mal den grand prix gewonnen? 2009 patricia kaas 8, 2002 ein fünfter und 2001 ein vierter platz, ansonsten in den letzten zehn jahren immer so zwischen 15 und 23. nun gut, aber dafür hamse in den 50ern, 60ern und 70ern 5 mal den pokal geholt und sind damit immer noch die dritterfolgreichste (grand)nation.

bombay calling

ich hab da noch ne andere idee, wie wir das mit den grand-prix-gewinn in moskau hinkriegen: jetz ist die politik dran, da muss die bundesregierung eingreifen. frau merkel, bei ihrem nächsten indien-besuch, machen sie da doch bitte mal was mit den dortigen callcentern klar. wieso? ist doch ganz einfach: egal welche hotline in deutschland man anruft, man landet mit sicherheit in bombay oder kuala lumpur. das müsste doch auch andersrum funktioniert. das nächste mal rufen für den deutschen beitrag einfach alle drei milliarden in callcenter angestellte inder an und fertig ist die laube. aserbaidschan, tadschikistan und co. – ha! zieht euch schon mal warm an… bombay calling! germany all points. allerdings muss im eurovision song contest das zählsystem nur noch durch das mehrheitswahlrecht ersetzt werden und indien europa beitreten. aber letzteres scheint ja gerade mode zu werden in asien (s. aserbaischan).

und wer weitere totsichere rezepte zur strategischen planung des nächsten deutschen grand-prix-siegs braucht, dem sei dieser artikel des epd wärmstens ans blutende fanherz gelegt…

esds

also, nein leute, so wird das nix. wir müssen weg von diesen länderwertungen beim eurovision song contest. das schürt nur unnötig ressentiments und schränkt die urlaubsplanung ein. ich habe mir sagen lassen, bulgarien hat schöne strände. also, bei den einzigen 12 punkten, die wir in diesem jahr kassiert haben, müssen da schon mal drei wochen schwarzmeerküste als dankeschön an die bulgaren drin sein. ist nur die frage: sind die in bulgarien auf 80 millionen deutsche eingestellt? ach ja, und die zwei obligatorischen punkte aus der schweiz, das ist umgerechnet mal wieder ein wochenendtrip nach zürich. nur gut, dass italien erst gar nicht mitgestimmt hat. und schade, dass wir keine punkte aus aserbaidschan gekriegt haben. ich wäre wirklich gern mal ans kaspische meer gefahren. bin allerdings auch sehr erstaunt, dass das jetzt auch zu europa gehört. ist das nicht eurasien? nun, die europa-definitions-frage ist zwar auch eine der fragen, die mit der länderwertungsproblematik verknüpft ist, bringt uns aber integrativ nicht weiter. um der osteuropäisch-asiatischen übermacht zu trotzen, würde es noch nicht einmal was bringen, wenn wir alle 16 deutschen bundesländer zu autonomen staaten machten und verpflichteten immer alle nachbarstaaten mit den höchsten puntwertungen zu beglücken. bayern würde wahrscheinlich froh sein, den rest des armen deutschlands endlich los zu sein und die ösis, franzosen und schweizer bepunkten. nee, so kommen wir nicht weiter. der song contest muss ganz neu gedacht werden. da hilft nur noch eins: wir brauchen esds – europa sucht den superstar. in der jury: dieter bohlen, patricia kaas und michael gorbatschow (falls der nicht kann, gehen auch lech walesa oder gesine schwan). bohlen hätte den spanier und die aserbaidschaner gestern so fertig gemacht, die wären freiwillig asiaten geworden. patricia kaas hätte beim französischen beitrag aus protest die jury verlassen, woraufhin der merkwürdige franzose disqualifiziert worden wäre und heidi klum die kaas ersetzt hätte. in der folgenden klumschen bildwertung wären mindestens zwei drittel aller kandidaten rausgeflogen (leider auch die no angels). nach einem harten kampfsingen des russen und der schwulen israelis, hätte der russe gewonnen (weil ja gorbi in der jury, ähh… nun… auch egal). alles beim alten.

urlaubsplanung

wer, bitte schön, hat denn moldawien umbenannt? gut, dass es nicht zur eu gehört, und nach meinung meine fleischfachverkäuferin deswegen sowie nicht am eurovision song contest teilnehmen sollte, sei mal dahingestellt. liegt irgendwo in richtung kaspisches meer, soweit ich mich erinnere. also, moldawien, nicht die fleischfachverkäuferin. aber hieß doch bislang immer moldawien. ist doch ein netter name. und wieso jetzt moldau? naja. egal. gewonnen hamse auch nicht. wie wir. trotz oder wegen der verrutschten jogginghose. auf klamotten kam es bei der diesjährigen wahl sowieso irgendwie an, hatte ich den eindruck. fielmannbrillentragende lesbische sängerinnen waren jedenfalls ganz weit vorn. andere länder stehen eindeutig auf glitterflitter. mist. hätten wir raab dieses jahr dahingeschickt, der hätte abgeräumt. oder jedenfalls einen besseren platz als der rogée (19) belegt. meine fleischfachverkäuferin wird jetzt deprimiert sein, ihre befürchtungen bestätigt sehen und im familien- und freundeskreise die ressentiments schüren gegen die „janzen länder, die doch jar nich zu europa jehörn und sich alle nur unternnanda wähln“. alte hüte waren jedenfalls dieses jahr nicht angesagt. da hätte der roger vielleicht doch besser ne mütze oder gar nix aufgesetzt. denn gesungen hat er wirklich nett. wenn auch nicht massentauglich. der swing ist halt doch irgendwie europaweit nicht so in mode wie es scheint. kommen wir zum kern der veranstaltung: denn das wesentliche bei der punktevergabe beim eurovision song contest ist ja, wer gab uns welche punkte und wohin fahren wir danach demnächst in urlaub und was wird boykottiert. tja, dumm gelaufen, herr sarkozy und konsorten, dat könnt ihr euch erstmal abschminken. keine punkte aus frankreich. nix baguette avec suzette im kommenden sommer. andererseits – was will ich ich estland? wird das auch demnächst umbenannt?

an den fleischtöpfen des showbiz

„naja, da darf man ja mal jespannt sein, wie dat heute abend ausjeht.“ ich starrte die fleischfachverkäuferin beim kaisers etwas dümmlich an. denn ich hatte einfach keine ahnung, wovon die frau sprach. zweifelte sie an, dass ich den gerade erworbenen ardenner landschinken tatsächlich zum spargel servieren sollte? ich murmelte jedenfalls erstmal undefinierte zustimmung. besser zustimmen, sonst verkauft sie mir kein corned beef mehr, dachte ich. sie jedenfalls schien meine verwirrung nicht zu bemerken und fuhr im plauderton fort: „unser, der ist ja janz juut. ich mag diesen rogée.“ sie dehnte das e und mir dämmerte, es ging in unserem thekengespräch nicht um räucher- oder kochschinken, die fleischfachfrau echauffierte sich über den eurovision song contest (esc), dessen endausscheid am abend in helsinki stattfinden sollte. „ja, der rogée, der ist gut“, konnte ich in den redefluss der fleischfrau einwerfen. sie war in ihrem fastmonolog inzwischen beim kernproblem des esc angekommen, dem filetstück ihrer kritik um im jargon des fleischereifachhandels zu sprechen. sie zählte gerade die wenigen verbliebenen teilnehmenden länder auf, die wie sie sagte „wirklich“ aus europa kommen. „der rest – moldawien, usbekistan, sowjetunion und co“ – (sie machte eine gewichtige pause) „also, ick bitte sie, dat sind doch allet keene europäer und is doch klar, die wählen sich alle selbst unternander.“ ich verkniff mir ob ihrer aufkeimenden verzweifelung den hinweis, dass es die sowjetunion gar nicht mehr gebe und suchte nach tröstenden worten. „na, da müssen wir alle ganz tüchtig für den rogée anrufen“, versuchte ich sie aufzumuntern, denn ich vermutete, dass ein hinweis auf die nächsten erweiterungen der eu nach osten, und dass diese länder vielleicht dann bald europäische sein werden, sie auch nicht wirklich fröhlich stimmen würde. „ick sage nur, det ist so nicht jerecht, det sage ich.“ mit diesem schlusswort wandte sie sich ab und dem wartenden kunden an der käsetheke zu, die auch in ihren hoheitsbereich fiel. ich blieb zurück. ratlos. die eu weiter schleunigst nach osten erweitern oder den esc abschaffen? ob frau merkel diese problematik während ihres eu-ratsvorsitzes noch angehen wird? da kann man wohl nur hoffen oder bangen…