Schlagwort-Archiv: skurriles

die globalisierte aok

heute habe ich mit der aok niedersachsen telefoniert. es ging um einen rollstuhl und einen gehbock. beide hat meine mutter in der reha verordnet bekommen und beide sind bereits seit einiger zeit beantragt, aber wurden bis zum gestrigen entlassungstag nicht ausgeliefert. ich rief zunächst eine aok-dienststelle in braunschweig an, die auch die reha genehmigt hatte. eine sehr höfliche junge frau erklärte mir, dass sie für hilfsmittelbewilligungen nicht zuständig sei, versprach mir aber sich kundig zu machen und mich zurückzurufen. keine zehn minuten später klingelte das telefon.  die globalisierte aok weiterlesen

woman in red

eine glänzende rüschenjacke aus kunstseide in einem leuchtenden kirschrot. in gleicher farbe eine rose am revers. ton in ton auch die knöchellangen leggings und die mandarina-duck-tasche auf den knien. alles andere ist in strahlendem weiß gehalten: bluse, armbanduhr, schuhe (knöchelsandalen nietenbesetzt). strass glitzert von ohrclips, fingerringen und an der uhr. wie kirschen leuchten auch die lippen. die haare sind schwarz gefärbt. grau schimmert an den ansätzen durch. die brauen sind in einem kühnen schwung gezupft und schwarz nachgetuscht. die augen sind grau und blicken etwas traurig. woman in red weiterlesen

deutschland demonstriert

es geht auf den winter zu. das merkt man in berlin zum beispiel daran, dass die sbahn wieder weitaus unregelmäßiger fährt und auch bereits wieder viele ihrer sehr wetterempfindlichen wagen in den depots zurückhält. nun gut, diese woche, da konnte die sbahn nicht unmittelbar etwas für das chaos auf berlins schienen. dieses mal hatte sie sozusagen helfershelfer. aber selbst das ist wiederum im ergebnis erschütternd. da schmoren anti-atom-gegner der bahn ein paar kabel durch, und schon kann nicht nur der herr grube nicht mehr mit dem festnetz telefonieren, nein, auch auf dem berliner sbahn-ring geht für tage gar nix mehr. deutschland demonstriert weiterlesen

mediziner des grauens

neben mir in der sbahn sitzt ein typ, lange haare, schwarzer mantel, so einen dämlichen opahut auf, anfang mitte 20. er sieht sich die ergebnisse seinen multiplechoice medizinertest an – zweites semester. ich könnte hier jetzt sogar seinen namen preisgeben – war alles zu lesen – und hätte nicht übel lust dazu. denn der typ verhält sich absolut asozial – macht niemandem platz, rückt keinen millimeter zur seite als ich mich an ihm vorbei auf den fensterplatz quetsche. über seine blöden langen beine muss ich rübersteigen. und so was wird also in ein paar jahren auf patienten losgelassen. examen per ankreuztest und soziale kompetenz mangelhaft. ich graue mich jetzt schon davor, so einem in die hände zu fallen. wo bleibt der soziale eignungstest für menschen, die über menschenleben entscheiden?

sangria mit eisbein

morgens in der sbahn ist ja eigentlich nur eine sorte leute unterwegs: die, die zur arbeit oder in die uni eilen. die mit eher viel freizeit fahren später (außer rentner, die sind ja immer früh auf den beinen). die spezies zur-arbeit-eilender zeichnet eines aus: sie spricht nicht. sie starrt aus dem fenster oder liest zeitung. umso mehr fällt es also auf, wenn morgens in der bahn plötzlich jemand spricht. noch dazu, wenn er laut spricht. und umso mehr, wenn er mit sich selbst spricht. obwohl – mit sich selbst sprach der mann mit dem sangria-tertapack in der brusttasche seiner jacke eigentlich gar nicht. nach einem kräftigen frühstücksschluck aus der packung erzählte er allen in hörweite, dass er heute geburtstag habe. hier machte er eine pause – ich vermute um etwaigen spontanen gratulanten die möglichkeit zu sprechen zu geben. keiner sagte was. er werde 47, erzählte der mann weiter. das sei doch kein alter, oder? niemand stimmte zu. jetzt sei er auf dem weg zu oma. da gebe es heute eisbein. extra für ihn. noch ein schluck sangria. dann sagte er noch wie toll seine oma sei und wie toll, dass sie ihm eisbein koche. als er das sagte wurde seine raue trinkerstimme richtiggehend weich. ich fand es irgendwie rührend, dass der mann sich auf seine oma freut und seinen geburtstag mit ihr bei eisbein und sangria verbringt. und ich fand es traurig, dass ihm niemand in der sbahn gratuliert hat. ich hab mich mal wieder nicht getraut, was zu sagen. deswegen von hier aus: happy birthday, eisbeinmann!

der handy-man

heute morgen in der s-bahn: ich hatte die zwischenbahn genommen (die mit umsteigen in ostbahnhof). ab ostbahnhof war quälende fülle (die mit ganz engem körperkontakt zu menschen, die man nicht kennt und auch nie so genau kennenlernen wollte). zwischen jannowitzbrücke und alex klingelt ein handy. ein älterer herr – vielleicht mitte sechzig, grauer haarkranz, distinguiert gekleidet, dunkler mantel, anzug, schlips – nimmt sein handy zur hand. zur hand wohlgemerkt, nicht ans ohr. er hält es vielmehr wie ein lästiges etwas in mundhöhe und starrt es an. dann spricht er. und das handy antwortet. denn der mann hat in der übervollen s-bahn den lautsprecher eingeschaltet. der mann schnarrt das gerät an: „ja, hallo?“ das gerät schnarrt zurück: „ja, hallo, hier ist meyerdirks (name von der red. geändert). ich rufe an wegen dem schlafzimmer.“ spätestens bei diesem letzten wort hat der ältere herr die volle aufmerksamkeit aller mitfahrer im waggon. alle, die zunächst leicht peinlich berührt weghörten, hören nun gespannt hin. es entspannt sich ein dialog um ein schlafzimmer, was es anzuschauen gilt und ob es bei dem termin am freitag bleibt. beide seiten reagieren etwas ungehalten. anscheinend hat das gespräch bereits eine vorgeschichte. das handy sagt: „ich hoffe, ich werde hier nicht verarscht.“ wow – jetzt gehts rund. alle mitfahrer halten gespannt den atmen an. der distinguierte ältere herr antwortet: „nein, sie werden hier nicht verarscht.“ in den ersten gesichtern der mitfahrer bricht sich ein lachen aus dem bisherigen grinsen bahn. handy und mann plänkeln noch eine weile hin und her. es bleibt bei dem termin am freitag. sicher bin ich nicht die einzige, die überlegt zu fragen, wo der termin stattfindet und ob man vielleicht als zuschauer dabei sein darf. drei stationen weiter, das gespräch ist längst zu ende, grinsen immer noch einige mitfahrende. der tag fängt gut an.

neues aus deutschland

wir befinden uns im jahre 2009 n. chr. ganz gallien … äh – deutschland ist vom kapitalismus besetzt. ganz deutschland? nein! ein von unbeugsamen görlitzern bevölkertes dorf hört nicht auf, dem eindringling widerstand zu leisten…


foto: mit freundlicher genehmigung von hk, mplgg, aufgenommen eine woche vor der bundestagswahl 2009 in görlitz, der östlichsten stadt deutschlands.

hauptsache ein hobby

der zukünftige prinz daniel, zukünftige prinzgemahl der zukünftigen schwedischen königin viktoria, der prinz aus ockelbo, von manchen auch wegen seiner fitnesstrainervergangenheit „prinz pilates“ genannt, hat eine freundin mit einem lustigen hobby. tussen formgren stemmt gern prominente. wo immer sie sie trifft. auch den könig carl gustaf würde sie gern mal stemmen, bekannte die zweimalige weltmeisterin im gewichtheben in der zdf-sendung „die königskinder“. und jetzt, da der daniel ja so gute kontakte zum königshaus habe, rücke dieser herzenswunsch für sie in wirklich greifbare nähe, freut sich tussen. als weiteres hobby – neben dem promiheben – hegt die gewichtheberin übrigens eine leidenschaft fürs gummihandschuhaufblasen. darin hält sie derzeit laut guinessbuch sogar den weltrekord. was ist eigentlich das skurrilere hobby gummihandschuhe aufpusten oder mit schlangen in der wanne sitzen?

mrs princess

leben ist einstellungssache – wie ich ja schon immer finde. kürzlich sah ich diesbezüglich ein wunderbares beispiel in der sbahn. sie trug ein kostüm in reinem weiß, der schnitt lässig-modisch. sportlicher baumwollstoff. leicht geknittert. so etwas sieht man sicher häufiger bei segelregatten und am rande von golf-turnieren. die frau saß am fenster, einen rucksack (in weiß) auf dem schoß und blickte mit wachen, fröhlichen augen auf die welt. ihren gehstock hatte sie resolut zwischen ihre beine gestellt, die hände auf dem goldknauf aufgestützt. ihr schlohweißes haupt zierte ein basecap, ebenfalls in weiß. es trug die in gold gestickte aufschrift „prinzessin“. die frau war geschätzt weiter über 80. leben ist einstellungssache.