Boxenstopp

Kürzlich erzählte ein Kollege von seinen Freuden und Leiden beim Zusammenziehen mit seiner Freundin. In die Kategorie Leidwesen fiel ein Lamento über Frauen und Lautsprecherboxen. Ich horchte auf. Denn eine sehr ähnliche Diskussion führte ich auch derzeit. Ein weiterer Kollege konnte vergleichbare Erinnerungsstücke aus der Arbeit an der gemeinsamen der Einrichtung des Eigenheims beisteuern. Einhellige Meinung war: Frauen mögen keine großen Boxen in der Wohnung. Ist das so? Ja. Vielleicht jetzt. Aber war das schon immer so? Nein. (mehr …)

nun also doch

Jahrelang bemüht man sich, kultiviert seine Abneigung, hält Prinzipien hoch. “Die klauen mir zu viele Daten”, sagte ich. Bei Instagram meldete ich mich genervt und unter Protest ab, als sie diesen Dienst schluckten. Hochmütig gucken konnte ich, wenn mich jemand fragte, ob ich dort ein Profil besäße. Ich doch nicht! Wozu? Ich twittere, und damit Schluss. Wer mir folgen will, der folge mir auf Twitter und lasse mich ansonsten in Ruhe. (mehr …)

Ein Jahr weiter

Letztes Jahr um diese Zeit waren es noch ein paar wenige Tage bis ich nach Namibia aufbrechen sollte. Meiner Flucht vor Weihnachten, vor Silvester, vor allen Erinnerungen, die mit einem Leben verbunden waren, dass so nicht mehr existierte. Als ich damals zurückkam, beschloss ich sofort: Das machst du nächstes Weihnachten wieder. Wieder weg zu sein von all dem Singsang, Bimmelbammel und Engelchengetue erschien mir die beste Lösung, um erst gar keinen Erinnerungshorror aufkommen zu lassen. Dafür lieber irgendwo sein, wo es Affenbrot- statt Weihnachtsbäume gibt, wo einen Löwengebrüll weckt statt Rentierglöckchengeklingel. Gesagt, getan, gebucht. (mehr …)

Heute ein Jahr

Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.

Da hab ich ihm seine Himmel gegeben,
und er ließ mir das Nahe,
daraus er entschwand;
– er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt …

Seit mich mein Engel nicht mehr bewacht,
kann er frei seine Flügel entfalten
– und die Stille der Sterne durchspalten,
denn er muss meiner einsamen Nacht
nicht mehr die ängstlichen Hände halten

seit mich mein Engel nicht mehr bewacht.

Rainer Maria Rilke

Für dich, mein geliebter Henry. Dermaßen…

Zurück im Leben

Kann man den Tod bewältigen? Und was heißt das überhaupt? Lernt man dann, ihn zu akzeptieren, ihn zuzulassen? Was heißt bewältigen in diesem Zusammenhang? Der Tod gehört zum Leben dazu. Ist sein Antagonist. Schon wenn wir klein sind, lernen wir, dass Menschen sterben. Irgendwann ist die Oma nicht mehr da. Sie war alt, wird uns gesagt. Und wenn man alt ist, stirbt man. So ist es normal, heißt es. Als mein Mann starb, fragte mein damals dreijähriges Patenkind, wieso er denn so schnell alt geworden sei. Denn ihre kurz zuvor verstorbene Oma war alt. So erklärt sich der Tod im hohen Alter. Aber welche Erklärung geben wir der Dreijährigen, wenn jemand stirbt, der noch nicht alt war? (mehr …)

Tod und Existenz

Wie macht man weiter, wenn ein Leben endet? Weiter wie bisher? Geht nicht. Denn zu meinem Leben gehörte mein geliebter Mann, hier im virtuellen Raum gern genannt “der Gatte”. Der Gatte ist tot. Aus dem Leben gerissen auf brutalste Art und Weise. Um 12.06h haben wir noch telefoniert. Um 13.20h war er tot. So steht es auf seiner Sterbeurkunde.

Es war ein elend heißer Tag. Es gab einen Stau auf der Autobahn. Es gab einen Getränkelaster. Es gab vier Tote. Meldungen über Verkehrstote höre ich fast jeden Tag. Jetzt weiß ich jedes Mal, wenn ich sie höre, welchen Gau sie in Familien auslösen. (mehr …)